Kapitel 1Chaos und völliger Kontrollverlust
Toms Workshop-Tagebuch, 25. September
Ich kenne jetzt zwei Arten von Schweiß. Den guten vom Sport. Und den anderen. Den hatte ich heute, inklusive kompletten Kontrollverlust.
Tom stand vor der Gruppe und spürte, wie ihm Schweiß auf der Stirn stand. Sein Hemd klebte bereits fest am Rücken, als ihm die Kontrolle immer weiter entglitt.
Der Workshop lief seit circa einer Stunde. Eine Stunde, die sich anfühlte wie eine Ewigkeit. Vor ihm saßen vierzehn Menschen: Projektleiter, Logistikchefs, IT-Kollegen, Fachbereichsleiter. Manche lehnten sich gelangweilt zurück, andere starrten auf ihre Laptops, wieder andere tuschelten miteinander.
»Also«, sagte Tom und versuchte, seine Stimme ruhig klingen zu lassen, »lasst uns doch mal sammeln, wo die größten Herausforderungen liegen. Jeder schreibt seine Punkte auf ein Post-it, und dann …«
»Nein.« Matthias’ feste Stimme ließ den Raum verstummen.
Tom blickte irritiert zu Matthias rüber. »Wie bitte?«
»Nein«, wiederholte Matthias und lehnte sich noch weiter zurück. »Ich schreibe nichts auf ein Post-it. Ich habe keine Zeit für Spielchen.«
Ein paar Kollegen kicherten leise. Andere sahen betreten zu Boden. Tom spürte, wie ihm noch heißer wurde. Tom versuchte sich zu erinnern, was Anna gesagt hatte: „Die Gruppe einbinden. Versuche nicht gegen den Störer zu kämpfen." Aber sein Kopf war leer.
»Also, das sind keine Spielchen«, sagte er, bemüht, ruhig zu bleiben. »Das ist eine Methode, um …«
»Eine Methode, um Zeit zu verschwenden«, unterbrach Matthias. »Wir sitzen hier seit einer vollen Stunde und haben noch nichts entschieden. Stattdessen kleben wir bunte Zettel an das Whiteboard, und ich weiß immer noch nicht, was ab morgen anders ist!«
Tom öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber Matthias war noch nicht fertig.
»Weißt du, was das Problem ist?«, fuhr er fort, und seine Stimme wurde lauter. »Das Problem ist, dass die IT glaubt, sie könnte einfach alles umkrempeln, ohne Rücksicht auf die Realität. Und dann sitzen wir hier und sollen das irgendwie hinbiegen. Aber das funktioniert nicht. Das kann nicht funktionieren.«
»Matthias«, versuchte Tom zu beschwichtigen, »ich verstehe, dass …«
»Nein, du verstehst nicht!«, schnitt Matthias ihm erneut das Wort ab und wurde noch lauter. »Du hast keine Ahnung, wie unsere Prozesse funktionieren oder was es bedeutet, wenn eine Lieferung zu spät kommt. Du hast keine Ahnung, was …«
»Okay, okay«, sagte Tom und hob die Hände. »Lass uns doch …«
Aber es war zu spät. Tom stand da, das Flipchart hinter sich, die Post-its in der Hand und ohne jegliche Kontrolle über den weiteren Verlauf. Und während Matthias einfach weiter redete, wusste Tom nur eins: Er hatte keine Ahnung, wie er das hier noch retten sollte.